brlv-PM 14/2026 am 22. Oktober 2026
Mit dem Thema „Längeres gemeinsames Lernen“ befasst sich die von Bündnis90/Die Grünen und SPD forcierte Anhörung im Rahmen der 48. Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultus im Bayerischen Landtag, zu der der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands (brlv), Ulrich Babl, als Sachverständiger geladen ist.
Der brlv spricht sich entschieden für den Erhalt des differenzierten und durchlässigen bayerischen Schulsystems mit dem Übertritt nach der Jahrgangsstufe 4 aus. Längeres gemeinsames Lernen und eine „Öffnungsklausel“ im Schulgesetz, die Gemeinschaftsschulen in Bayern ermöglichen soll, lehnt er entschieden ab. Statt einer grundlegenden Strukturreform braucht es gezielte Investitionen in Unterrichtsqualität, frühzeitige Förderung und verlässliche Bildungswege. Die Wahl einer Schulart muss als positive Bildungsentscheidung anerkannt werden.
Die Kernpositionen des Verbands hat der brlv-Landesvorstand im Rahmen seiner Sitzung in Nürnberg einstimmig in Leitlinien zur Weiterentwicklung des bayerischen Schulsystems beschlossen. Darin betont das höchste Gremium des brlv, dass nicht die Dauer des gemeinsamen Lernens über den Bildungserfolg entscheidet, sondern die Qualität des Unterrichts, die individuelle Förderung und die Perspektiven, die jeder Bildungsweg eröffnet.
„Den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen nehmen wir ausdrücklich ernst. Bildungsunterschiede entstehen aber bereits vor der Einschulung. Familiäre Unterstützung, Sprachkenntnisse und Lebensbedingungen beeinflussen die Lernentwicklung der Kinder. Entscheidend ist deshalb, dass alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihren familiären Voraussetzungen frühzeitig Unterstützung erhalten und ihre Fähigkeiten entfalten können. Chancengerechtigkeit bedeutet nicht, dass alle Kinder möglichst lange denselben Bildungsweg gehen müssen. Entscheidend ist, dass jedes Kind frühzeitig die Unterstützung erhält, die es braucht, und einen Bildungsweg einschlagen kann, der zu seinen Fähigkeiten, Interessen und Zielen passt“, erklärt brlv-Landesvorsitzender Ulrich Babl.
Keine Schulstrukturreform, sondern stabile Verhältnisse
„Bayern sollte seine bewährten Strukturen konsequent weiterentwickeln, statt darüber nachzudenken, erhebliche Ressourcen in Schulstrukturexperimente zu stecken!“, so Babl.
Eine Strukturreform muss einen klaren pädagogischen Mehrwert bieten und die Bedingungen für alle Beteiligten tatsächlich verbessern. Neue Parallelstrukturen durch Schulversuche oder Öffnungsklauseln bergen Risiken für Personalversorgung, Schulstandorte und die Verlässlichkeit des Gesamtsystems.
„Unser Ziel ist ein leistungsfähiges, gerechtes und zukunftsfähiges Bildungswesen, das unterschiedliche Begabungen berücksichtigt und verlässliche Bildungs- und Berufswege eröffnet. Dabei müssen die Schülerinnen und Schüler mit ihren individuellen Stärken, Interessen und Bildungszielen im Mittelpunkt stehen. Zugleich braucht ein leistungsfähiges Schulsystem gesunde, motivierte und professionell unterstützte Lehrkräfte, die unter guten Bedingungen unterrichten und fördern können.“
Schulversuche sollen dem brlv zufolge vielmehr konkrete pädagogische Innovationen innerhalb der bestehenden Schularten erproben, deren Nutzen überprüfbar ist. „Vorrang haben Investitionen in Unterrichtsqualität, Sprachförderung, MINT, digitale Bildung und Berufsorientierung. Wohnortnahe Schulangebote sind dort zu sichern, wo sie pädagogisch sinnvoll und organisatorisch tragfähig sind. Gleichzeitig müssen Reformvorhaben die Belastungen für Lehrkräfte berücksichtigen. Zusätzliche Aufgaben, neue Dokumentationspflichten oder organisatorische Doppelstrukturen dürfen nicht auf Kosten der Unterrichtsqualität und der Gesundheit der Beschäftigten gehen“, so Babl abschließend.
Die Leitlinien des brlv zur Weiterentwicklung des bayerischen Schulsystems als Download: Hier klicken