Zum Start des neuen Schuljahres hat Kultusministerin Anna Stolz am Gymnasium München-Nord die Schwerpunkte für das neue Schuljahr vorgestellt.
„Moderne Prüfungskultur“ und Mittelschule
Bayern setzt auf eine Weiterentwicklung der Prüfungskultur: Neben klassischen Schulaufgaben und Tests sollen künftig auch Präsentationen, Projekte, Debatten und praxisnahe Aufgaben stärker in die Leistungserhebung einbezogen werden.
Gleichzeitig werden die verpflichtenden Leistungsnachweise angepasst. Lern- und Prüfungskompetenzen sowie eine lernförderliche Feedbackkultur sollen Schülerinnen und Schüler zusätzlich dabei unterstützen, auch in Prüfungssituationen auf ihr Wissen und Können zu vertrauen.
Auch die Mittelschule soll „weiterentwickelt“ werden: mit mehr Zeit für Basiskompetenzen und individuelles Lernen, mehr Praxisnähe und einer engeren Verzahnung von Schule und Berufswelt (z.B. flexible Stundentafel für die Jahrgangsstufen 5-7 in Deutsch, Mathe und Englisch oder das „4+1-Modell“, das vorsieht, dass Schülerinnen und Schüler vier Tage in der Schule und einen Tag im Betrieb verbringen).
„Digitale Balance“
Mit der Agenda „Digitale Balance im Alltag von Schülerinnen und Schülern“ will die Ministerin einen souveränen Umgang mit digitalen Medien stärken. Der Digitalkompass wird um einen Chat-Kompass für die Grundschule und einen Social-Media-Kompass für die Jahrgangsstufen 5 bis 8 erweitert. Gleichzeitig ist die private Nutzung von Handys bis einschließlich Jahrgangsstufe 7 an Schulen grundsätzlich untersagt. Auch Eltern sollen stärker einbezogen werden („Wir brauchen Eltern als Partner“). Medienkompetenz kommt darüber hinaus in die Fachlehrpläne.
Sport und Bewegung
Sport und Bewegung bleiben ein bildungspolitischer Schwerpunkt. Das Konzept der Sportgrundschulen wird ausgeweitet: 193 weitere Schulen kommen hinzu. An allen Schulformen soll es zudem mehr Sportunterricht geben.
Unterrichtsversorgung: Blick auf die Realschulen
Das Kultusministerium betont, dass die Unterrichtsversorgung zum Schuljahresbeginn trotz steigender Schülerzahlen und Stellenmoratorium gesichert sei. Bayern stellt zum Schuljahr 2026/2027 insgesamt rund 4.100 Lehrkräfte ein, rund 5.000 junge Menschen beginnen bayernweit ihren Vorbereitungsdienst.
Außer reinen Zahlen leider nichts zu den Realschulen… Für diese zeigt sich bei genauem Hinsehen allerdings ein differenzierteres Bild:
Rund 350 Einstellungen konnten realisiert werden.
Insgesamt erhielten 86 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber ein Angebot. Gleichzeitig blieben rund 70 Bewerbende ohne Einstellungsangebot, darunter 43 aus dem aktuellen Prüfungsjahrgang. Besonders betroffen sind Bewerberinnen und Bewerber mit einer Fächerverbindung mit Wirtschaftswissenschaften.
Aus Sicht des brlv wird damit deutlich: Die Auswirkungen des Stellenmoratoriums kommen unmittelbar an den Realschulen an. Gerade angesichts steigender Schülerzahlen und eines gleichzeitig um zwei Prozent gekürzten Lehrerbudgets fehlen wichtige Ressourcen.
Das haben wir heute auch gegenüber dem Bayerischen Rundfunk deutlich gemacht.
Die bestmögliche und individuelle Förderung kann nur gelingen, wenn dafür ausreichend Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Wer individuelle Förderung stärken will, muss dafür auch die notwendigen personellen Ressourcen bereitstellen!
Und wir bleiben bei unserer Position zum Umgang mit digitalen Endgeräten: Ein in pauschales Verbot digitaler Endgeräte bis zur 7. Klasse ist nicht zielführend und stellt die Schulen vor Ort bei der Umsetzung vor massive Herausforderungen.
Die private Nutzung digitaler Endgeräte hat an der Schule grundsätzlich nichts verloren! Pädagogisch sinnvoller Einsatz digitaler Medien muss dagegen, wo er didaktisch begründet ist, bereits ab der 5. Klasse möglich sein.
Entscheidend ist also eine klare Trennung zwischen privater Nutzung und pädagogisch verantwortetem Einsatz. Die Einführung digitaler Endgeräte bereits in den unteren Jahrgangsstufen wurde in vielen Realschulen bewusst und reflektiert in bestehende didaktisch-methodische Konzepte integriert.
Dabei stand nicht die Technisierung des Unterrichts im Vordergrund, sondern der gezielte Aufbau digitaler Kompetenzen im Rahmen einer altersangemessenen Medienerziehung. Digitale Endgeräte dienen in diesem Kontext als ergänzendes Werkzeug, vergleichbar mit einem modernen Schulbuch, und werden bewusst dosiert eingesetzt.
Die frühzeitige Einführung bietet die Chance, Schülerinnen und Schüler im sicheren und kompetenten Umgang mit digitalen Lernmitteln zu fördern. Der weit verbreitete Besitz privater Smartphones bei Kindern ab etwa dem zehnten Lebensjahr unterstreicht die Notwendigkeit eines schulisch begleiteten Medienumgangs bereits ab der 5. Klasse.
Weitere Details und Infos zur PK gibt es in der kommenden Ausgabe unseres Verbandsmagazins „Die Bayerische Realschule“!