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Übertritt nach der 4. Klasse: Entscheidung an der Eignung des Kindes ausrichten, nicht am Schulweg – Infrastrukturelle Rahmenbedingungen verbessern, Leistungsprinzip und verbindliche Schulempfehlung stärken

brlv-PM 07/2026 am 30. April 2026

Wenn die Erreichbarkeit von Schulen und infrastrukturelle Gegebenheiten, nicht jedoch transparente, nachvollziehbare und anspruchsvolle Leistungskriterien darüber entscheiden, welche Schulart ein Kind besucht, stellt dies ein ernst zu nehmendes Problem dar. Der Bayerische Realschullehrerverband (brlv) sieht in den jüngsten Auswertungen zu regional unterschiedlichen Übertrittsquoten in Bayern vor allem einen klaren Auftrag: Die infrastrukturellen Rahmenbedingungen und Beförderungsmöglichkeiten müssen verbessert werden, ohne dabei die verbindliche Schulempfehlung und das bewährte System der Leistungsdifferenzierung infrage zu stellen.

„Die Erreichbarkeit darf nicht das entscheidende Kriterium bei der Wahl der weiterführenden Schule sein. Gerade im ländlichen Raum zeigt sich, dass Realschulen bewusst so verteilt sind, dass sie eine möglichst breite Flächenabdeckung gewährleisten – oft mit der Konsequenz, dass Schülerinnen und Schüler auf Bus oder Bahn angewiesen sind und häufig lange Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen“, erklärt brlv-Vorsitzender Ulrich Babl. Realschulen sind in Bayern strukturell stärker in der Fläche verankert. Das ist bildungspolitisch gewollt, darf aber nicht zu Nachteilen bei der Verteilung der Schülerströme führen.  

Wer aus diesen Unterschieden den Schluss zieht, die verbindliche Schulempfehlung oder gar das gegliederte Schulwesen insgesamt infrage zu stellen, greift deutlich zu kurz.

„Die immer wieder vorgebrachten Forderungen nach einem Aufweichen der Leistungsdifferenzierung und der verbindlichen Schulempfehlung lösen nicht das Problem. Im Gegenteil: Sie verkennen die Stärken eines Systems, das passgenaue Bildungswege für alle Kinder eröffnet. Der richtige Bildungsweg ist derjenige, der den individuellen Fähigkeiten und Potenzialen eines Kindes gerecht wird. Dafür müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Entscheidungen unabhängig vom sozioökonomischen Hintergrund ermöglichen. Gerade die Realschule steht für einen eigenständigen Bildungsgang mit klaren Profilen, Qualität und vielfältigen Anschlussmöglichkeiten. Sie ist weder 'zweite Wahl' noch bloße Durchgangsstation, sondern eine tragende Säule des bayerischen Schulwesens, die bei Arbeitgebern hoch im Kurs steht", stellt Babl klar.

Statt strukturelle Grundsatzdebatten zu führen, fordert der brlv konkrete Verbesserungen:

  • eine verlässliche und bedarfsgerechte Schülerbeförderung in allen Bezirken,
  • eine noch stärkere regionale Ausgewogenheit bei Schulstandorten, wo dies sinnvoll und möglich ist sowie
  • eine intensive Beratung der Eltern, die sich an den tatsächlichen Begabungen und Leistungen der Kinder orientiert – nicht an organisatorischen oder gesellschaftlichen Zwängen.

 

Foto: pixabay


Kategorien:
Politik

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